Palästina

Das antike Land Kanaan
Joshua J. Mark
von , übersetzt von Marina Wrackmeyer
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Map of Southern Levant c.1200 BCE (by Simeon Netchev, CC BY-NC-ND)
Karte der südlichen Levante, ca. 1200 v. Chr. Simeon Netchev (CC BY-NC-ND)

Palästina war im Altertum ein Teil der Region Kanaan, in der sich die Königreiche Israel und Juda befanden. Die ursprüngliche Bezeichnung „Philistäa“ (auf die der Begriff „Palästina“ zurückgeht) bezeichnete ein Gebiet im Süden Kanaans, von dem das Volk der Philister einen kleinen Teil besetzte.

Die Kanaaniter, die kanaanitischen Phönizier und die Israeliten und andere siedelten sich schon früher in diesem Gebiet an. Es wird angenommen, dass die Philister gegen Ende der Bronzezeit um das 12. Jahrhundert v. Chr. in die Gegend kamen und sich in der südlichen Küstenebene des Mittelmeeres in einem Gebiet niederließen, das dann als Philistäa bekannt wurde.

Die gesamte Region wurde in mesopotamischen Texten und Handelsaufzeichnungen, die in Ebla und Mari gefunden wurden, bereits im 18. Jahrhundert v. Chr. als „Kanaan“ bezeichnet, während der Begriff „Palästina“ in schriftlichen Aufzeichnungen erst im 5. Jahrhundert v. Chr. in Herodots Historien auftaucht. Nach Herodot wurde der Begriff Palästina für die gesamte Region verwendet, die früher als Kanaan bekannt gewesen war.

Die Region ist Teil des so genannten fruchtbaren Halbmondes, und die menschliche Besiedlung lässt sich bis in die Zeit vor 10000 v. Chr. zurückverfolgen. Ursprünglich war das Land von nomadischen Jägern und Sammlern bewohnt, die wahrscheinlich aus Mesopotamien eingewandert waren, aber schon in der frühen Bronzezeit (etwa 3300 bis etwa 2000 v. Chr.) sesshaft wurden und Landwirtschaft betrieben. In der mittleren Bronzezeit (etwa 2000 bis etwa 1550 v. Chr.) erweiterte sich der Handel mit anderen Völkern, und Kanaan blühte auf. In der späten Bronzezeit (etwa 1550 bis etwa 1200 v. Chr.) hielt dieser Wohlstand an, als die Region in das ägyptische Reich (etwa 1570 bis etwa 1069 v. Chr.) eingegliedert wurde.

Während der Einfluss und die Macht Ägyptens schwanden, wuchs der Einfluss der Assyrer, und bereits 1295 v. Chr. kam es zu assyrischen Einfällen in andere Gebiete. Der gesamte Nahe Osten litt während des sogenannten Zusammenbruchs der Bronzezeit von circa 1250 bis circa 1150 v. Chr., und Kanaan bildete keine Ausnahme. Nach dem biblischen Buch Josua eroberte der israelitische Feldherr Josua das Land und teilte die Region unter seinem Volk auf. Der Spätdatierungstheorie nach fand dieses Ereignis um 1250 v. Chr. statt, und archäologische Funde weisen großflächige Zerstörung in der Region um diese Zeit nach. Etwa zur gleichen Zeit kamen jedoch die Seevölker (deren Identität noch immer unbekannt ist) in die Region und könnten ebenso für die erwiesene Zerstörung von Dörfern und Städten verantwortlich gewesen sein, wie sie es auch in anderen Nationen waren.

Die Assyrer, Babylonier, Perser und die Armeen Alexanders des Großen eroberten die Region nacheinander, und schließlich folgten auch die Legionen Roms. Als Rom im Land auftauchte, war es schon lange als Judäa bekannt, ein Begriff, der von dem früheren Königreich Juda abstammte, das von den Babyloniern zerstört worden war.

Es wurde jedoch auch als Palästina bezeichnet, und nach dem Bar-Kochba-Aufstand von 132 bis 136 n. Chr. benannte der römische Kaiser Hadrian die Region in Syria Palaestina um, um das jüdische Volk für seinen Aufstand zu bestrafen (indem er die Region nach seinen beiden traditionellen Feinden, den Syrern und den Philistern, benannte). Die Bezeichnungen Philistäa, römisches Judäa und Palästina waren danach alle in Gebrauch.

Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches wurde Palästina vom Östlichen oder Byzantinischen Reich eingenommen und bis etwa 634 n. Chr. gehalten, als es von den eindringenden muslimischen Armeen aus Arabien eingenommen wurde.

Name

Nach Herodots Gebrauch der Bezeichnung ersetzte Palästina allmählich Kanaan als Bezeichnung der Region.

Man nimmt an, dass der Name „Palästina“ entweder von dem Wort Plesheth (d. h. „Palash-Wurzel“, einem Nahrungsmittel, das von wandernden Stämmen mitgeführt wurde und sich zum Symbol für Nomadenvölker entwickelte), von dem ägyptischen Wort Peleset („Land der Philister“), oder von Philistia (Philistäa, ebenfalls „Land der Philister“) abgeleitet ist. Der Autor Tom Robbins hat angeregt, dass die Bezeichnung von der antiken androgynen Gottheit Pales, die in der Region Kanaans verehrt wurde, stammen könnte. Wenn dem so ist, dann bedeutet Palästina soviel wie „Land von Pales“.

Es ist erwiesen, dass es eine androgyne Gottheit namens Pales gab (die in Texten sowohl als Gott als auch als Göttin bezeichnet wird), die von den Römern als Schutzgottheit der Hirten und Schafe anerkannt wurde und deren Feste am 21. April und 7. Juli in Rom in der Gegend des Palatinhügels gefeiert wurden (Adkins & Adkins, 269).

Es gibt jedoch keine Belege aus dem Altertum, die diese Gottheit mit dem Namen der Region Palästina in Verbindung bringen, und höchstwahrscheinlich leitet sich die Bezeichnung „Palästina“ von „Philistia“ („Philistäa“) ab. Die Wissenschaftler J. Maxwell Miller und John H. Hayes merken dementsprechend an:

Entlang der südlichen Küstenebene der östlichen Mittelmeerküste (ungefähr südlich des heutigen Tel Aviv) siedelten die Philister. Sie kamen als Teil der allgemeinen „Seevölker“-Wanderung am Ende der Bronzezeit in diese Region und bewohnten fünf große Städte – Aschdod, Aschkelon, Ekron, Gat und Gaza.

Obwohl die Philister historisch gesehen speziell mit der Küstenebene in Verbindung gebracht werden, wurde der Name „Philistäa“ („Land der Philister“) während der klassischen Zeit allgemeiner auf die gesamte südliche Spitze der östlichen Mittelmeerküste angewandt... Kurz gesagt, der englische Begriff „Palestine“ leitet sich letztendlich von „Philistia“ ab.

(39–40)

Nachdem Herodot den Begriff in seinem Werk im 5. Jahrhundert v. Chr. verwendet hatte, übernahmen ihn auch andere Autoren, und Palästina ersetzte allmählich Kanaan als Name der Region.

Frühe Geschichte

Die Region gehört zu den frühesten Orten menschlicher Besiedlung auf der Welt. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass die Region bereits vor 10000 v. Chr. von nomadisch lebenden Jägern und Sammlern bewohnt war. In der frühen Bronzezeit wurden dauerhafte Siedlungen gegründet und landwirtschaftliche Gemeinschaften entwickelt. Der Handel mit anderen Regionen des Nahen Ostens wurde aufgenommen, und aufgrund seiner Lage zwischen den Städten Mesopotamiens und denen Arabiens und Ägyptens wurde Palästina zu einem wichtigen Handelszentrum und zog die Aufmerksamkeit Sargons von Akkad (Regierungszeit 2334–2279 v. Chr.) auf sich, der die Region um 2300 v. Chr. in sein Reich aufnahm.

Map of the Akkadian Empire at Its Height
Karte des Reiches von Akkad zu seiner Blütezeit Simeon Netchev (CC BY-NC-ND)

Der Wohlstand des Reiches von Akkad zu dieser Zeit förderte das Wachstum der städtischen Zentren in der gesamten Region, und Palästina blühte auf, bis Akkad 2154 v. Chr. von den einfallenden Armeen der Guti besiegt wurde. Danach wurden die Städte aufgegeben, und die Menschen kehrten zu einer ländlichen, agrarischen Lebensweise zurück – möglicherweise aufgrund von Überbevölkerung, wobei die Gründe für den Wandel ungewiss sind.

Mittlere Bronzezeit

In der mittleren Bronzezeit wurden die Menschen wieder städtisch, und der Handel florierte. Um 4000 v. Chr. wurde erstmals internationaler Handel zwischen der Hafenstadt Byblos und Ägypten betrieben, und um 2000 v. Chr. war Ägypten der einflussreichste Handelspartner der Region. Der Einfluss Ägyptens zeigt sich in den Bestattungsritualen, die sich in der Art der Grabbeigaben eng an Ägypten anlehnen.

Von dieser Partnerschaft profitierten sowohl Ägypten als auch Kanaan bis zur Ankunft der semitischen Völker, die als Hyksos bekannt waren (um 1725 v. Chr.). Den Hyksos, die in altägyptischen Inschriften nur als „fremde Könige“ bezeichnet werden, gelang es gegen Ende des Mittleren Reiches (2040–1782 v. Chr.), in der Deltaregion von Unterägypten Fuß zu fassen und sich in Auaris als politische Einheit zu etablieren.

Map of the Middle Kingdom of Egypt, c. 2000 BCE
Karte des Mittleren Reiches von Ägypten, ca. 2000 v. Chr. Simeon Netchev (CC BY-NC-ND)

Mit der Zeit wurden sie mächtig genug, um Handel zu treiben, Armeen aufzustellen und die Kontrolle über das Delta und einen großen Teil von Unterägypten zu übernehmen, bis sie 1570 v. Chr. durch Ahmose I. von Theben vertrieben wurden. Der Feldzug Ahmoses I. verfolgte die Hyksos nach Norden durch Kanaan bis nach Syrien und hinterließ zerstörte Städte und verstreute Gemeinden.

Späte Bronzezeit

Nach der Vertreibung der Hyksos wurden die Städte Kanaans wieder aufgebaut, und Ahmose I. gliederte die Region in das neu gegründete Ägyptische Reich ein (auch als Neues Reich bezeichnet, etwa 1570 bis etwa 1069 v. Chr.). Ahmose I. wollte sicherstellen, dass keine andere fremde Macht in das Land einfallen konnte, und schuf daher eine Pufferzone um die ägyptischen Grenzen, die von späteren Pharaonen zur Bildung ihres Reiches erweitert wurde.

Einige der berühmtesten ägyptischen Pharaonen regierten während des Neuen Reiches und unterstützten Kanaan durch Handel und Bauprojekte. Hatschepsut (Regierungszeit 1479–1458 v. Chr.), Thutmosis III. (Regierungszeit 1458–1425 v. Chr.), Amenophis III. (Regierungszeit 1386–1353 v. Chr.) und Ramses der Große (Regierungszeit 1279–1213 v. Chr.) förderten unter anderem den Handel in der Region und verbesserten die Infrastruktur.

Map of the New Kingdom of Egypt c. 1250 BCE
Karte des Neuen Reiches von Ägypten, ca. 1250 v. Chr. Simeon Netchev (CC BY-NC-ND)

Während der Herrschaft von Thutmosis III. störte ein als Habiru bekanntes Volk den Frieden durch Überfälle auf Gemeinden. Die Identität dieses Volkes ist (wie bei den Hyksos und den Seevölkern) nicht bekannt, aber es scheint in der Region beheimatet gewesen zu sein, und der Begriff „Habiru“ wurde verwendet, um diejenigen zu bezeichnen, die sich den Regeln der Gesellschaft nicht länger fügen wollten. Sie werden eher als Geächtete denn als Invasoren beschrieben, und frühere Versuche moderner Gelehrter, die Habiru mit den Hebräern in Verbindung zu bringen, wurden diskreditiert.

Die Ankunft der Seevölker

Während der Herrschaft Ramses’ des Großen tauchen die Seevölker zum ersten Mal in der Geschichte Ägyptens auf. Ramses besiegte sie um 1278 v. Chr. in einer Seeschlacht vor seiner Küste und traf 1274 v. Chr. erneut auf sie als Verbündete der Hethiter in der Schlacht bei Kadesch. Wer sie waren und woher sie kamen, ist bis heute umstritten, aber sie kehrten zurück, um Ägypten während der Herrschaft Merenptahs (1213–1203 v. Chr.) und später während der Herrschaft Ramses’ III. (1186–1155 v. Chr.) zu bekriegen.

Zur gleichen Zeit, als sie Ägypten bedrängten, richteten die Seevölker auch im hethitischen Reich und in der gesamten Levante großen Schaden an. Ihre Aktivitäten und die um 1300 v. Chr. beginnenden assyrischen Einfälle stürzten die Region des Nahen Ostens ins Chaos.

Während der Regierungszeit der frühen israelitischen Könige und auch später werden die Philister in der Bibel immer wieder als deren Erzfeinde erwähnt.

Etwa zur gleichen Zeit, etwa 1250 bis 1200 v. Chr., soll die Eroberung Kanaans durch den israelitischen Feldherrn Josua, von der im biblischen Buch Josua und in geringerem Maße auch im Buch Numeri berichtet wird, stattgefunden haben. Zwar gibt es zweifellos Beweise für einen großen Umbruch im Land zu dieser Zeit, doch passen die archäologischen Funde nicht genau zu den biblischen Erzählungen, und es ist möglich, dass das Land von den Seevölkern überrannt wurde.

Die erste Erwähnung Israels stammt von der Merenptah-Stele, auf der in der Beschreibung des Sieges über die Libyer (die mit den Seevölkern verbündet waren) behauptet wird: „Israel ist verwüstet“. Die Stele scheint sich auf „Israel“ als Volk zu beziehen, nicht auf ein Königreich oder einen Stadtstaat, und es ist möglich, dass sich die Israeliten mit den Seevölkern und den Libyern zu einem Vorstoß gegen Ägypten zusammenschlossen, obwohl dies spekulativ ist.

Irgendwann nach der angeblichen Invasion durch General Josua sind die Israeliten jedoch fest in Kanaan etabliert, und um 1020 v. Chr. wird das Königreich Israel im Norden gegründet. Israel sollte als geeintes Königreich bis nach dem Tod von König Salomo (Regierungszeit 970–931 v. Chr.) gedeihen, als es sich in das Königreich Israel mit der Hauptstadt Samaria im Norden und das Königreich Juda mit der Hauptstadt Jerusalem im Süden teilte. Während der Regierungszeit der frühen israelitischen Könige und auch später werden die Philister in der Bibel immer wieder als deren Erzfeinde erwähnt.

Die Philister und fremde Eroberer

Die Philister (vermutlich aus Kreta oder zumindest aus dem ägäischen Raum stammend) landeten um das 12. Jahrhundert v. Chr. an der südlichen Mittelmeerküste Kanaans, nachdem sie bei ihrer Invasion in Ägypten (zusammen mit den Seevölkern) von Ramses III. zurückgeschlagen worden waren. Um 1175 v. Chr. hatten sie sich in Siedlungen entlang der als Philistäa bekannten Küste fest etabliert. Andere, ältere Siedlungen florierten bereits bei ihrer Ankunft in der Gegend, und die Philister begannen schnell, sie zu unterwerfen.

Den biblischen Erzählungen zufolge waren die Philister gut organisiert und effizient genug, um den frühen israelitischen Stämmen und Städten große Schwierigkeiten zu bereiten. Sie stellten eine erhebliche Bedrohung für den israelitischen König Saul (Regierungszeit um 1050–1010 v. Chr.) dar, wurden von seinem Nachfolger, König David (Regierungszeit um 1010–970 v. Chr.), besiegt und waren auch unter König Salomo noch Feinde Israels, aber trotz der israelitischen Siege über sie prosperierten sie weiterhin an der Küste und bekämpften ihre Nachbarn.

Philistine Coffin Lid from Tell Nabasha
Philistäischer Sargdeckel aus Tell Nabasha Osama Shukir Muhammed Amin (Copyright)

Im Jahr 722 v. Chr. wurde die Region von den Armeen des neuassyrischen Reiches eingenommen, und das Königreich Israel wurde zerstört. Zur gleichen Zeit wurden auch die Philister vollständig unterworfen und verloren ihre Autonomie. Das neuassyrische Reich unter König Sanherib (Regierungszeit 705–681 v. Chr.) startete 703 v. Chr. einen weiteren Feldzug in der Region. Obwohl Jerusalem nicht eingenommen werden konnte, gelang es Sanherib, Juda zu einem Vasallenstaat zu machen.

Die Assyrer hielten die Region bis zum Fall ihres Reiches im Jahr 612 v. Chr. durch eine von Babyloniern und Medern angeführte Koalition. Kurz darauf fielen die Babylonier 598 v. Chr. in die Region ein, plünderten Jerusalem, zerstörten den Tempel Salomos und brachten die führenden Bürger Israels zurück nach Babylon (eine Periode in der jüdischen Geschichte, die als Babylonisches Exil bekannt ist). Sie kehrten zwischen 589 und 582 v. Chr. zurück und zerstörten den Rest von Juda, wobei sie gleichzeitig die Philister vertrieben.

Babylon fiel an Kyros den Großen (gestorben 530 v. Chr.), der die Region in das Achämenidenreich aufnahm und den Juden die Rückkehr aus Babylon in ihre Heimat ermöglichte. Das Perserreich fiel 330 v. Chr. an Alexander den Großen, und nach ihm kontrollierten die Seleukiden die Region bis ca. 168 v. Chr., als die Makkabäer sich gegen die Fremdherrschaft und die Auferlegung einer fremden Religion auflehnten und die Hasmonäer-Dynastie gründeten, das letzte unabhängige judäische Königreich. Rom mischte sich 63 v. Chr. in die Angelegenheiten der Region ein, und nachdem Augustus Kaiser geworden war, wurde die Region um 31 v. Chr. zu einer als römisches Judäa bekannten Provinz.

Die jüdisch-römischen Kriege

Die Römer setzten einen König ihrer Wahl, Herodes den Großen, als Herrscher der Region ein und erhoben in Judäa die gleichen Steuern wie in den anderen Provinzen des Reiches. Die Bevölkerung lehnte jedoch die römische Herrschaft und Besatzung ab, und Judäa erwies sich als besonders problematische Region für Rom.

Karte der Provinzen des Römischen Reiches unter Augustus
Karte der Provinzen des Römischen Reiches unter Augustus Simeon Netchev (CC BY-NC-ND)

In den Jahren 66 bis 73/74 n. Chr. kam es zum Jüdischen Krieg, in dessen Folge Titus Jerusalem zerstörte, einschließlich des Zweiten Tempels (nur die Westmauer blieb stehen), und der zum Märtyrertod der Verteidiger von Masada führte. Obwohl es den Bewohnern des Landes innerhalb eines vernünftigen Rahmens freigestellt war, ihrer eigenen Kultur und ihrem religiösen Glauben treu zu bleiben, standen sie immer noch unter römischer Herrschaft und wollten ihre Unabhängigkeit.

In den Jahren 115 bis 117 n. Chr. brach der Aufstand aus, der auch als Krieg des Kitos bekannt ist (der Name ist eine Verballhornung des Namens des römischen Generals Lucius Quietus, der die römischen Legionen befehligte). Auch dieser Konflikt endete mit einem römischen Sieg, und es wurde ein relativer Frieden wiederhergestellt. Im Jahr 132 n. Chr. brach jedoch der Bar-Kochba-Aufstand aus, der sich für beide Seiten als der kostspieligste erwies, obwohl die Judäer mit mehr als 500.000 getöteten Kämpfern und noch vielen weiteren Toten die größeren Opferzahlen zu beklagen hatten.

Die Region unter Rom

Kaiser Hadrian war über den jüdischen Widerstand so erzürnt, dass er die Provinz in Syria Palaestina (nach den beiden traditionellen Feinden der Juden, den Syrern und den Philistern) umbenannte, alle Juden aus der Region verbannte und seine Stadt Aelia Capitolina auf den Ruinen Jerusalems erbaute. Der Bar-Kochba-Aufstand war der letzte der jüdisch-römischen Kriege, und danach hielt Rom die Region ohne weitere ernsthafte Zwischenfälle.

Bar Kochba Coin
Bar-Kochba-Münze Nick Thompson (CC BY-NC-SA)

Kaiser Diokletian (Regierungszeit 284–305 n. Chr.) teilte das Römische Reich in zwei Teile: das Westreich, das Europa kontrollierte, und das Ostreich (später als Byzantinisches Reich bekannt), das die Angelegenheiten im Nahen Osten verwaltete und natürlich Syria Palaestina kontrollierte. Als Kaiser Konstantin der Große (Regierungszeit 306–337 n. Chr.) das Christentum legitimierte und zur Staatsreligion machte, wurde Syria Palaestina zu einer christlichen Provinz und zu einem wichtigen Zentrum für den neuen Glauben.

Das Weströmische Reich fiel 476 n. Chr., aber das Byzantinische Reich blieb bis zum 7. Jahrhundert und dem Aufkommen des Islam in der Region relativ unangefochten. Im Jahr 634 n. Chr. nahmen die muslimischen Armeen aus Arabien Syria Palaestina ein und benannten es in Jund Filastin („Militärbezirk Palästina“) um. Die Muslime fühlten sich mit der Region ebenso religiös verbunden wie Christen und Juden vor ihnen, und Kirchen wurden in Moscheen umgewandelt, so wie zuvor Tempel in Kirchen umgewandelt worden waren.

Schlussfolgerung

Die Region wurde von den europäischen Christen als Palästina bezeichnet und als das Heilige Land angesehen, und 1096 wurde der erste Kreuzzug gestartet, um es von der muslimischen Besatzung zurückzuerobern. Diesem Versuch folgten bis 1272 viele weitere, die vom Byzantinischen Reich unterstützt wurden und enorme Kosten für Leben und Eigentum verursachten, aber letztlich nicht zum Erfolg führten.

Map of the First Three Crusades & the 12th-Century Outremer
Die ersten drei Kreuzzüge und der Lateinische Osten (Outremer) im 12. Jahrhundert Simeon Netchev (CC BY-NC-ND)

Das Byzantinische Reich fiel 1453, wodurch der christliche Einfluss in der Region stark zurückging, und Palästina wurde von den Osmanen besetzt. Die Region blieb auch in den nächsten Jahrhunderten umkämpft, bis die Briten 1915 im Ersten Weltkrieg eingriffen. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten die westlichen Mächte erstmals Pläne zur Aufteilung des Nahen Ostens für ihre eigenen Zwecke und zum eigenen Vorteil aus.

Palästina blieb bis zum Zweiten Weltkrieg eine vom Krieg zerrissene und stark umkämpfte Region, bis die Vereinten Nationen das Gebiet zum Staat Israel erklärten und es als Heimatland für das jüdische Volk einrichteten. Dieses Mandat der Vereinten Nationen und der daraus entstandene Staat Israel sind nach wie vor umstritten, und die Region ist auch heute noch so unruhig wie im Altertum.

Fragen und Antworten

Wann wurde Palästina zum ersten Mal Palästina genannt?

Der Begriff „Palästina“ taucht erstmals in den „Historien“ des griechischen Schriftstellers Herodot im 5. Jahrhundert v. Chr. auf.

Wie hieß Palästina vor dem 5. Jahrhundert v. Chr.?

Bevor Herodot die Region „Palästina“ nannte, war sie traditionell als Kanaan bekannt.

Was bedeutet der Begriff „Palästina“?

Man nimmt an, dass es „das Land der Philister“ bedeutet.

Wann kamen die Philister zum ersten Mal nach Kanaan?

Es wird angenommen, dass die Philister im 12. Jahrhundert v. Chr. nach Kanaan kamen.

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Mark, J. J. (2024, April 04). Palästina: Das antike Land Kanaan. (M. Wrackmeyer, Übersetzer). World History Encyclopedia. https://www.worldhistory.org/trans/de/1-192/palastina/

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Mark, Joshua J.. "Palästina: Das antike Land Kanaan." Übersetzt von Marina Wrackmeyer. World History Encyclopedia, April 04, 2024. https://www.worldhistory.org/trans/de/1-192/palastina/.

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Mark, Joshua J.. "Palästina: Das antike Land Kanaan." Übersetzt von Marina Wrackmeyer. World History Encyclopedia, 04 Apr 2024, https://www.worldhistory.org/trans/de/1-192/palastina/.

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